Bund in der Pflicht: Petition verlangt Stopp der Stellenverlagerung bei Swisscom und Post
Petition verlangt Stopp von Offshoring bei staatsnahen Betrieben
Bern – Der Personalverband Transfair hat eine Petition gestartet, die das Outsourcing von Arbeitsplätzen bei der Swisscom und der Post stoppen will. Beide Unternehmen, die mehrheitlich dem Bund gehören, verlagern laut Transfair Stellen nach Portugal, Lettland, Kosovo, Polen, Bulgarien und in die Niederlande. Die Aktion zielt darauf ab, die Verlagerung von Knowhow und qualifizierten Jobs ins Ausland zu unterbinden.
Die Petition läuft bis zum 30. November 2026 und soll im Dezember dem Bundesrat und dem Parlament übergeben werden. Transfair verlangt, dass der Bund seine Rolle als Mehrheitsaktionär ernst nimmt und die strategischen Ziele der betroffenen Unternehmen so anpasst, dass arbeitsrelevante Aufgaben nicht mehr aus Kostengründen ins Ausland verschoben werden dürfen.
Kernforderungen: Schutz sensibler Aufgaben und Ausbildungssicherung
Im Forderungskatalog heisst es, dass strategische und sensible Tätigkeiten in der Schweiz verbleiben müssen, insbesondere wenn sie den Service public, die Versorgungssicherheit oder die nationale Sicherheit berühren. Zudem moniert Transfair, dass durch Offshoring Lehrstellen wegfallen und jungen Fachkräften Perspektiven genommen werden, was langfristig die Fachkräftedeckung in der Schweiz schwächt.
Greta Gysin, Präsidentin von Transfair und Nationalrätin, kommentiert die Initiative deutlich: «Die Post und Swisscom verlagern Arbeitsplätze und Fachwissen ins Ausland, um Kosten zu sparen. Damit verliert die Schweiz Kontrolle über zentrale Aufgaben. Der Bund lässt die Konzerne gewähren, statt klare Vorgaben zu machen.»
Reaktionen von Swisscom und Post
Die Swisscom betont, die Anliegen von Transfair ernst zu nehmen und weist darauf hin, dass weit über 90 Prozent der Mitarbeitenden für das Schweizer Geschäft in der Schweiz tätig seien. Der geplante Ausbau eines Standorts in Lissabon werde bestehende Zentren ergänzen und diene der langfristigen Wettbewerbsfähigkeit; Qualität, Sicherheit, Compliance und Datenschutz seien zentral.
Die Post teilt mit, sie nehme die Petition zur Kenntnis. Wegen der Auswirkungen von Effizienzmassnahmen auf Beschäftigte habe die Post entschieden, den Ausbau des IT-Standorts in Lissabon vorerst sistieren. Die Schweiz bleibe Hauptstandort und Drehscheibe für die IT der Post, so die Sprecherin.
Politischer Handlungsdruck
Die Debatte berührt grundlegende Fragen zur Rolle des Staates als Mehrheitsaktionär. Kritiker fordern, der Bund müsse klare Vorgaben machen oder gesetzliche Regeln schaffen, die verhindern, dass staatliche und halbstaatliche Unternehmen wichtige Arbeitsplätze ins Ausland verlagern. Befürworter einer internationaleren Aufstellung argumentieren hingegen mit Wettbewerbsfähigkeit und Kostendruck.
Die Petition von Transfair will diese Diskussion forcieren und die politische Ebene verpflichten, eine Balance zwischen Wirtschaftlichkeit, Ausbildungsaufgaben und dem Erhalt strategischer Kapazitäten in der Schweiz herzustellen.