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Kinderbetreuung als Wirtschaftsfaktor: Grüne fordern Turbo für Gauting

05. März 2026

Kinderbetreuung braucht zugleich mehr Plätze und bessere Qualität

Gauting – Bei einer Wahlveranstaltung der Grünen in der Bar Rosso des Bosco diskutierten Kommunalpolitikerinnen, Kandidaten und Bürgerinnen darüber, wie die Vereinbarkeit von Familie und Beruf vor Ort spürbar verbessert werden kann. Die Debatte machte deutlich: Die Lage hat sich zwar gegenüber vor zwei Jahren leicht entspannt, bleibt aber weit von ausreichend entfernt.

Auf dem Podium saßen Gemeinderätin Claudia Nothaft, die Aktivistin Claudia Freund, Bürgermeisterkandidat Dr. Matthias Ilg sowie die Landtagsabgeordnete Julia Post. Unter dem provokanten Motto «Kinderbetreuungsturbo für Gauting» forderten sie unkomplizierte, flexible Betreuungsangebote, die Eltern echte Wahlmöglichkeiten und damit auch wirtschaftliche Mobilität ermöglichen.

Alltag zwischen Fahrerei und Großeltern

Eltern berichteten von langen Fahrten zu Einrichtungen außerhalb des Wohnorts, von Dauermaloss an Fahrplänen und der Abhängigkeit von Homeoffice, engagierten Großeltern oder Au‑pairs. Lange Wartezeiten und fehlende flexible Betreuungszeiten machen Jobwechsel und berufliche Neuorientierung schwerer, betonten die Diskutanten.

Politik als Hebel

Dr. Ilg verwies auf skandinavische Beispiele und mahnte, dass auch mit begrenzten Mitteln und klugem Einsatz von Fördergeldern spürbare Verbesserungen möglich seien. Ziel müsse sein, nicht nur die Zahl der Plätze zu erhöhen, sondern auch die Qualität der Betreuung – von besseren pädagogischen Konzepten bis zu verlässlicheren Öffnungszeiten.

Fachkräftemangel und Wohnungsfrage

Ein zentrales Problem bleibt der Mangel an Erzieherinnen und Erziehern: Bayernweit fehlen laut Diskussion rund 70.000 Fachkräfte. Zwar könnte der demografische Trend die Lage mittelfristig etwas entspannen, doch viele Fachkräfte verlassen den Beruf wegen schlechter Arbeitsbedingungen und unzureichender Bezahlung. Besserer Wohnraum wurde als Teil der Lösung genannt; Projekte wie Mooritz am Bahnhof und die geplante Zweitwohnungssteuer sollen den lokalen Wohnungsmarkt entlasten.

Konkrete Vorschläge aus dem Publikum

  • Gründung einer gemeindeeigenen Kita, deren Personal als Springer bei Engpässen anderer Einrichtungen unterstützt
  • Unterstützung durch die Gemeinde bei Verwaltungsaufgaben der Kitas
  • Bessere Einbindung von Sportvereinen und Musikschule in Betreuungsangebote

Die Teilnehmenden forderten, dass künftige Entscheidungen sowohl quantitative als auch qualitative Verbesserungen in den Blick nehmen. Kritik richtete sich unter anderem gegen die amtierende Verwaltung, etwa wegen einer misslungenen Abfrage zur Ganztagsbetreuung.

Die Initiative zeigt, dass Kinderbetreuung in Gauting längst keine rein soziale Frage mehr ist, sondern einen direkten Einfluss auf Arbeitsmarkt, Mobilität und Ortsentwicklung hat. Die politischen Debatten in den kommenden Monaten werden zeigen, ob aus Forderungen konkrete Projekte werden.

Redaktion Unser Würmtal / Thomas Canali

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